Alex O`Loughlin German FanClub
  Untie these hands 6
 
31. Nacht-Massage und Guten-Morgen-Kuss
Als ich dieses Mal in der Nacht wach werde, höre ich immer noch den Regen, der auf unser Zelt trommelt. Doch das Gewitter scheint vorbei zu sein. Wie lange habe ich überhaupt geschlafen? Ich versuche mich auf die Seite zu drehen - aber das geht nur unter Schmerzen. Habe ich jemals solche Schmerzen gehabt? Die waren doch den ganzen Nachmittag wieder weg.
Ich versuche mir auf die Lippe zu beißen, um Alex nicht zu wecken. Hatte Jackie nicht etwas von einer Salbe erzählt? Aber ich kann sie ja nicht mitten in der Nacht wecken. Aber vielleicht hilft ja auch eine Schmerztablette. Für den Anfang. Besser als nichts.
Langsam öffne ich den Reißverschluss vom Schlafsack und krieche nach vorn. Im ersten Moment warte ich noch und versuche etwas zu erkennen. Doch der kleine Waschbär scheint nicht mehr da zu sein.
"Kate?" höre ich Alex fragen.
"Schlaf weiter", flüstere ich ihm zu.
"Wo willst du denn hin?" setzt er sich nun auf. "Wie spät ist es überhaupt?" Ich sehe, wie er sein Handy anmacht. "Kurz nach elf Uhr erst. Wieso schläfst du nicht?"
"Ich suche mir nur schnell ne Tablette oder so was", sage ich und öffne meine Tasche. Habe ich überhaupt Schmerztabletten eingepackt?

"Tabletten? Wozu das denn?" höre ich Alex hinter mir. Nun ist er auch aufgestanden und hat die Taschenlampe angemacht.
"Mir tut alles weh", sage ich nun und hoffe, meine Stimme klingt nicht so wehleidig wie ich mich fühle.
"Oh man, wir haben ganz vergessen dich einzucremen", fällt ihm nun auch ein. "Warte! Ich habe dieselbe Salbe dabei wie Kate. Ich hol sie schnell." Er kniet sich neben mich und kramt in seiner Tasche herum. "Hab sie", verkündet er dann.
Also krieche ich zähnezusammenbeißend wieder zurück und lasse mich einfach auf den Schlafsack fallen. Aber dieses Mal auf meinen.
"Kannst du... du solltest... dein Shirt... wenn ich dir den Rücken einmassiere, solltest du vielleicht besser dein Shirt ausziehen", sagt Alex, der sich neben mich gehockt hat.
"Dreh dich um", bitte ich ihn und ziehe - so schnell es mir möglich - ist mein Shirt aus. Dann lege ich mich wieder auf den Bauch. Da ich nur kurze Schlafshorts trage, sollte der Rest wohl kein Problem werden.

Ich höre, wie Alex die Tube öffnet und dann spüre ich kalte Salbe auf meiner Haus. Als ich zischend die Luft einsauge, entschuldigt er sich sofort. Doch dann wird es warm. Alex legt seine Hände auf meine Rücken und cremt mich ganz vorsichtig ein. Ganz zärtlich fängt er an mich zu massieren.
"Du hast deinen Beruf verfehlt", murmle ich und genieße diese leichte Massage. Langsam beginne ich mich zu entspannen. Und gleich tut alles auch nicht mehr ganz so weh.
Alex lacht leise und massiert weiter. Meinen Rücken. Die Schultern. Die Arme. Und die Beine. Und ich bin völlig entspannt, als er aufhört.
"Kate?" höre ich ihn leise fragen.
"Weitermachen", bitte ich ihn.
"Ich dachte, du schläfst schon", grinst er. "Außerdem reicht es jetzt. Sonst wird es zu viel."
"Was machst du?" will ich wissen, als er wegrückt.
"Ich hole nur meinen Schlafsack um dich zuzudecken", antwortet er.
"Und du?" will ich wissen.
"Ich bleibe neben dir liegen", antwortet er und schon spüre ich seinen Körper neben meinem.

"Danke", sage ich leise und kuschle mich an ihn.
"Du kannst dich ja mal revanchieren", flüstert er mir ins Ohr.
"Morgen", flüstere ich. Ich bin jetzt einfach nur noch müde.
"Schlaf schön, Kate", sagt Alex.
"Du auch", erwidere ich. Und dann bekomme ich noch einen Gute-Nacht-Kuss. Daran könnte ich mich gewöhnen. Viel zu leicht.
Als ich am Morgen erwache, liege ich glücklicherweise immer noch auf dem Bauch. Alex liegt an meiner Seite und schläft noch. Zeit für mich ihn ein wenig in Ruhe zu betrachten. Er sieht total entspannt aus. Ja, fast glücklich. Liegt es daran, dass er mich im Arm hält? Oder sieht er immer so süß aus, wenn er schläft?
"Du beobachtest mich", schlägt er plötzlich seine Augen auf und lächelt. Dieses unglaublich süße, umwerfende Lächeln. Das mich total verzaubert. Und dazu noch seine Augen... Das Märchenland existiert wirklich, oder? Denn ich habe den Prinzen hier vor mir liegen.

"Ich sollte mich anziehen", sage ich zu ihm, hebe meinen Kopf und sehe mich suchend nach meinem Shirt um.
"Wieso? Das ist doch gerade ausgleichende Gerechtigkeit", zieht Alex mich zu sich heran.
Ja, ich spüre, dass ihm die Nacht wohl wieder zu warm neben mir gewesen sein muss. Genau wie gestern. Doch im Gegensatz zur letzten Nacht macht mir das gerade keine Angst. Alex legt seinen Arm um mich - und dann dreht er sich mit mir in seinen Armen um. Nun liege ich unter ihm und sehe ihn an. Meine Arme habe ich verschränkt vor meinem Körper. Ganz wohl ist mir hier nicht, aber ich habe keine Angst. Und das ist doch schon mal ein gutes Zeichen, oder?
"Wir könnten hier bleiben", höre ich Alex sagen. "Nur du und ich."
"Hier?" sehe ich ihn fragend an. "Mit den Waschbären?"
"Ach, denen bauen wir ein eigenes kleines Häuschen", lächelt Alex mich an. Ich glaube, ich verliebe mich gerade. Oder habe ich das schon längst?
"Hier? Am See?" hake ich noch einmal nach.
"Ja, nur wir zwei", nickt er und streicht meine Haare aus dem Gesicht. "Du würdest jeden Morgen in meinen Armen aufwachen."
"Und das würde dir gefallen?" frage ich nach.
Als Antwort lächelt Alex nur - und dann küsst er mich. Ja, das würde mir auf jeden Fall gefallen. Jeden Morgen mit so einem Kuss geweckt zu werden...

Alex´ Hand liegt auf meinem Oberarm und streichelt langsam den ganzen Arm entlang nach unten. Dann rutscht sie auf meine Hüfte. Ich habe Angst, dass es gleich vorbei sein wird. Dass ich ihm nicht das geben kann, was er erwartet. Doch nichts passiert. Außer dass mein Herz rast, passiert nichts. Alex lässt seine Hand auf meiner Haut liegen und ich entspanne mich wieder. Nein, er wird mir nicht weh tun. Und er wird auch nichts fordern, was ich nicht bereit bin zu geben.
Unsere Küsse werden intensiver. Und meine Hände machen sich selbständig und streichen erst über Alex´ Haare, dann über seinen Rücken. Und irgendwie gefällt es mir, dass er sich immer näher an mich drängt. Langsam lasse ich meine Hände über seinen Rücken hinunter bis zu seiner Hüfte wandern und streichle dort entlang. Dann nimmt Alex plötzlich seine Hand von mir und hält meine Hand fest.
Schwer atmend löst er sich aus unserem Kuss.
"Hab ich was falsch gemacht?" will ich unsicher wissen.

"Nein, nichts ist falsch", antwortet Alex und atmet mehrmals ein und aus. "Aber wir sollten vielleicht langsamer..."
"Sorry", meine ich. Denn nun spüre ich auch, was er meint. Ich glaube, wenn ich bereit gewesen wäre - er ist es auf jeden Fall. Aber vielleicht sollten wir es wirklich etwas langsamer angehen.
Alex sieht mich an. Dann wandert seine Hand langsam über meinen Bauch. Immer weiter nach oben... Und Alex sieht mir die ganze Zeit unentwegt in die Augen. Ich lasse ihn gewähren. Denn mir gefällt, was er da macht. Das hier ist unser ganz privater Moment. Schon lange habe ich nicht mehr so empfunden wie jetzt. Ich genieße es in den Armen des Mannes zu liegen, der mich festhält. Ich muss mich nicht woanders hinträumen. Das hier ist ein Traum.
Ich merke, dass auch mein Atem unregelmäßiger wird. Und ich hebe meinen Kopf, um Alex wieder zu küssen. Er erwidert den Kuss sofort.
Und ich weiß nicht, wie das hier jetzt geendet hätte. Wenn nicht plötzlich Jackies Stimme ertönt wäre: "Frühstück ist fertig!"

32. Meine Wohnung...
Wir frühstücken und beschließen dann, diesen Tag noch am See zu verbringen und erst am Abend zurückzufahren. Jackie und ich nutzen die Zeit, als Mike und Alex beschließen um den See zu wandern, zum Unterhalten. Jackie erzählt mir von ihren Plänen mit Mike.
"Ich werde heute Abend noch mit Alex reden, aber wir wollen definitiv noch an diesem Wochenende in Las Vegas heiraten", sagt sie gerade.
"Dieses Wochenende?" sehe ich sie an. "Aber das ist dann... Morgen?"
Jackie nickt. "Ja, morgen", antwortet sie völlig unbeeindruckt. "Und ich dachte, du willst meine Trauzeugin sein."
Ich fühle mich ja wirklich geehrt. Aber MORGEN? "Seid ihr euch echt so sicher?"
"Ja, sind wir", nickt Jackie. "Kommst du mit?"
"Ich muss das erstmal mit Josh klären", sage ich zu ihr. "Ich muss morgen eigentlich wieder arbeiten."
"Ich komme einfach mit, wenn du mit deinem Chef redest", grinst Jackie mich an. Dann umarmt sie mich völlig überraschend. "Ich bin echt froh, dass wir uns getroffen haben."
"Das bin ich auch", sage ich und lege auch meine Arme kurz um sie. Und ich meine es auch so. Wenn Jackie nicht wäre, würde ich mein Geheimnis immer noch mit mir herumtragen. Und so habe ich endlich jemanden zum Reden.

Die Männer kommen kurz darauf zurück und wir reden über die kleine Feier, die sich Jackie und Mike vorstellen. Im Las-Vegas-Stil halt.
Ich bin froh, dass Jackie von ihrer verrückten Idee einer Doppelhochzeit endlich Abstand genommen hat. Jedenfalls sagt sie nichts mehr dazu. Unser kleiner Freund, der Waschbär, zeigt sich in der Mittagsstunde noch einmal am Ufer, als wir im Schatten liegen und uns ausruhen. Jackie und Mike haben sich unter einen großen Baum zurück gezogen. Und ich mich mit Alex unter einem anderen.
"Hat Jackie dir von ihren Plänen erzählt?" will Alex von mir wissen.
Ich sehe ihn an und nicke. "Und was hältst du davon?"
"Naja, ein wenig übereilt ist es schon", gibt Alex zu. "Aber die zwei gehören einfach zusammen. Also ist es okay." Er streicht über meinen Arm. "Und du?"
"Was ist mit mir?" frage ich.
"Jackies Idee", erinnert mich Alex.
Ich weiche Alex´ Blick aus. "Die Idee bringt nichts, glaub mir", sage ich leise.
"Musst du ja wissen", hält Alex mich weiter fest.
Nein, dazu gibt es nichts mehr zu sagen. Ich kann niemandem der Gefahr aussetzen eines Tages vielleicht Emilio zu begegnen.

"Aber du kommst morgen dann mit, oder?" will Alex nun wissen.
"Ich muss erstmal meinen Chef fragen", antworte ich ihm ausweichend. Wie soll ich denn Abstand nehmen, wenn ich immer wieder bei ihnen dabei sein soll? Aber vielleicht ist es okay. Nur noch dieses Wochenende. Jackie wird dann mit Mike sicher zu sich nach Hause fliegen. Und Alex?
"Wann arbeitest du wieder?" frage ich ihn jetzt.
"Am Dienstag muss ich wieder rüber", antwortet Alex.
"Rüber?" Was meint er denn?
"Nach Hawaii", sagt er.
Oh. Ja, klar. Alex dreht ja die nächste Staffel. Ich wollte ja Abstand. Aber gleich so viel? Doch es wird das Beste für uns alle sein.
"Komm doch mit", flüstert er in mein Ohr und küsst mich im nächsten Moment auf den Hals.
Wenn er weiter macht, verspreche ich ihm alles. Aber ich muss mich zwingen einen klaren Kopf zu behalten.
"Alex, ich kann nicht", sage ich leise.
"Ich komme wieder", löst Alex seine Lippen von meinem Hals. "Darf ich dich dann anrufen?"
Ja, will ich sagen. "Lass uns das Wochenende erst einmal überstehen", sage ich statt dessen.

Am späten Nachmittag packen wir dann alles zusammen und fahren in getrennten Autos wieder zurück. Ich musste Jackie noch versprechen, dass ich mit Josh reden werde und morgen mitfahren werde. Sie würde mich heute Abend noch anrufen, wann der Flug gehen wird.
Alex fährt mich nach Hause. Wir reden während der Heimfahrt nicht viel. Aber wenn er nicht schalten muss, hält er meine Hand fest. Es ist ein eigenartiges Gefühl. Schön. Es ist, als würde mein Herz andauernd einen Sprung nach dem anderen machen. Ich sehe ihn heimlich von der Seite an. Und frage mich, wieso ich ihn nicht zu einem anderen Zeitpunkt kennen gelernt habe. Vor Emilio. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert. Wer weiß das denn nicht?
"Wir sind da", parkt Alex das Auto vor meiner Wohnung.
"Danke", sehe ich ihn an. "Das war toll."
"Ich bringe deinen Sachen noch mit hoch", steigt Alex aus.
"Das musst du nicht", sage ich zu ihm.
"Wer weiß, ob du dieses Mal allein die Treppe hinauf kommst?" zwinkert er mir zu und greift nach meinem Rucksack. Ich hole den Schlüssel aus meiner Handtasche und schließe auf.
"Siehst du", drehe ich mich zu ihm um. Doch Alex schiebt mich vorwärts. Gemeinsam gehen wir die Treppen hinauf zu meiner Wohnung.

"Hast du nicht abgeschlossen?" will Alex plötzlich wissen.
Ich sehe ihn irritiert an, dann sehe ich auf meine Wohnungstür. Ja, er hat Recht. Die Tür ist nicht ganz geschlossen. Nur angelehnt.
Und es ist nur ein Name, der mir durch den Kopf schießt: Emilio. Er hat mich gefunden. Ganz sicher. Nein, ich bin nicht mehr sicher.
"Du solltest gehen", sage ich zu Alex und will ihm meinen Rucksack abnehmen.
"Ganz sicher nicht", sagt Alex und schiebt mich zur Seite. Dann schiebt er mit seinem Fuß die Tür auf.Ich gehe neben ihm her und betrete die Wohnung. Erschrocken schlage ich meine Hände vor den Mund. Es sieht unglaublich verwüstet aus! Alle meine Sachen liegen verteilt in der Wohnung. Das Bett ist kein Bett mehr, sondern wurde komplett auseinander genommen. Als hätte jemand etwas gesucht. Und ich glaube, ich weiß auch, was das ist. Etwas um meine Identität zu beweisen. Doch diese Unterlagen habe ich immer bei mir. In meiner Handtasche.
"Wir sollten die Polizei anrufen", sagt Alex - und noch ehe ich etwas sagen kann, hat er sein Handy hervorgezogen und spricht mit einem Polizisten. Dann legt er auf. "In zehn Minuten ist jemand da", sagt er dann. "Wir können ja hier warten." Er deutet auf die Stufen und wir setzen uns nebeneinander.

33. Okay, lass uns heiraten
Als der Streifenwagen kommt, redet Alex gleich mit den Beamten. Sie sehen sich um, wollen wissen ob etwas fehlt. Doch auch nach größerem Umsehen entdecke ich nichts. Auch nichts, was auf den Täter hinweist. Ich glaube, ich weiß, wer das getan hat. Aber ich sage nichts von meinen Vermutungen. Ich spüre Alex´ Blick auf mir ruhen. Doch ich kann nichts sagen. Die Polizisten versuchen noch einige Fingerabdrücke zu bekommen, sind jedoch erfolglos. Was mich nicht wirklich überrascht. Wie auch? Emilio macht keine halben Sachen.
"Sie sollten diese Nacht vielleicht woanders verbringen", sagt der größere Polizist dann zu mir.
"Du kommst mit zu mir", sagt Alex sofort.
"Im Moment können wir hier nichts weiter tun", sagt der andere Polizist dann. "Wenn wir etwas wissen, rufen wir sie an."
"Danke", sage ich und Alex bringt die beiden noch zur Tür. Hilflos stehe ich im Chaos und sehe mich um. Emilio! Er ist zurück. Wer sonst hätte meine Wohnung verwüsten sollen?

"Kate?" Alex steht vor mir und sieht mich fragend an. "Brauchst du noch etwas? Du kommst jetzt mit!"
"Ich..." Ich kann nichts sagen. Meine Gedanken überschlagen sich. Wie hat er mich gefunden? Wieso war er hier? Als ich nicht da war? Wie lange weiß er schon, wo ich bin? Weiß er etwas von Alex? Und Jackie? Sind sie vielleicht schon in Gefahr, weil ich sie kennengelernt habe? Was mache ich jetzt? Sollte ich weiter ziehen? Mir eine neue Identität zulegen? Was mache ich nur?
"Kate!" Alex greift nach meiner Hand. "Komm einfach mit, ja?" Er zieht mich mit sich. Ich fühle mich wie eine Puppe. Unfähig eigene Entscheidungen zu treffen. Mein einziger Gedanke dreht sich um eine Frage: Was mache ich jetzt?
Alex schiebt mich die Treppe nach unten. Und setzt mich in sein Auto.
"Was ist denn passiert?" kommt uns Jackie entgegen, als mich Alex durch seine Tür schiebt.
"Bei Kate wurde eingebrochen", erzählt Alex ihr. "SIe schläft heute bei uns."
"Kate?" Jackie sieht mich fragend an. Doch ich sehe nur durch sie hindurch. Meine Gedanken kreisen - immer und immer wieder nur um diese Frage. Was mache ich? Wohin kann ich gehen, damit Emilio mich nicht findet? Gibt es diesen Ort überhaupt auf der Welt?

"Ich lass ihr ein heißes Bad ein", höre ich Jackie zu Alex sagen. Ich lasse mich von ihm in sein Wohnzimmer führen und auf die Couch setzen.
Was mache ich, wenn ich mich nirgendwo vor Emilio verstecken kann? Wenn er mich überall findet? Wieso hat er mich überhaupt gefunden? Und wie? Wie hat Emilio herausgefunden, wo ich bin? Ich habe mein Aussehen verändert. Ich habe meinen Namen geändert. Ich habe total zurückgezogen gelebt. Wie um alles in der Welt hat er mich gefunden?
Und WAS um alles in der Welt mache ich jetzt?
"Kate!" Jackie schüttelt an meiner Schulter. Ich sehe sie an. "Die Badewanne ist fertig. Komm mit und entspann dich ein wenig." Sie zieht mich hoch und schiebt mich ins Badezimmer.
"Setz dich da rein, ja? Ich komm dann mal nach dir schauen", sagt Jackie und deutet auf die Badewanne, die voller Schaum ist.
Ich nicke. Und sehe Jackie nach, die die Tür hinter sich schließt. Ich bin allein.

Langsam, fast automatisch, ziehe ich mich aus. Dann stecke ich einen Zeh in das Wasser. Es ist angenehm warm und ich lege mich schließlich ganz hinein.
Was mache ich denn nur? Was mache ich überhaupt hier? Ich wollte doch weder Jackie noch Alex mit in mein Leben hineinziehen. Und jetzt? Jetzt stecke ich hier mittendrin. In einem Riesenschlamassel.
Was mache ich jetzt?
Was wäre, wenn ich wirklich einem anderen gehören würde? Was wäre, wenn ich einen Ring am Finger tragen würde? Was wäre, wenn Emilio wüsste, dass ich nicht mehr frei bin? Würde er aufgeben? Würde er wirklich aufgeben, wie Jackie sich das vorstellt? Würde es wirklich so einfach sein? Doch was soll ich sonst machen? Welche Wahl habe ich denn?

"Jackie!" rufe ich und setze mich auf.
"Ich bin hier", kommt sie sofort ins Zimmer. "Was ist passiert?"
"Ich werde es tun", sehe ich sie an.
"Was wirst du tun?" Jackie zuckt verständnislos mit den Schultern.
"Ich werde es tun", wiederhole ich. "Ich werde deinen Bruder heiraten."
Jackie klappt ihren Mund auf. Und wieder zu. Und wieder auf. Und wieder zu.
"Was ist denn?" hören wir Alex von der anderen Seite der Tür aufgeregt fragen. "Ist alles okay?"
"Gib mir das Handtuch", deute ich auf das Wäschestück hinter ihr. Jackie reicht es mir. Einfach so. Sie sagt immer noch kein Wort.
Ich steige aus der Badewanne und wickle das Handtuch um mich. Dann öffne ich die Tür. Alex sieht mich verstört an und tritt einen Schritt zurück.
"Okay, lass uns heiraten", sage ich zu ihm. Einfach so. Ohne mehr Worte. Und warte auf seine Reaktion.
Alex sieht mich eine Weile an. "Okay", sagt er dann. Einfach so. Ohne mehr Worte.


34. Wer weiß...
Als ich am nächsten Morgen erwache, sehe ich mich erschrocken um. Wo bin ich?
"Kate, alles ist okay", höre ich plötzlich eine Stimme neben mir.
"Alex?" sehe ich ihn verwundert an. Was macht er in meinem Bett? Oder ich in seinem? Oh, ja. Das ist sein Haus. Meine Wohnung... Nein, ich will diese ganzen Erinnerungen nicht! Und auch nicht die Angst, die jetzt schon wieder in mir hochkriecht.
"Komm wieder her", zieht Alex mich zurück in seine Arme.
"Wieso schlafe ich bei dir?" will ich wissen. Und bin doch froh, dass ich ein Shirt und einen Slip anhabe.
"Du hast mir gestern Abend gesagt, dass du mich heiraten willst", erzählt Alex mir. "Und dann hast du mit Jackie eine Flasche Rotwein geköpft. Und dann musstest du ja irgendwo schlafen."
"Bei dir?" sehe ich ihn fragend an. Ja, ich war in der Badewanne. Und ich weiß auch noch, dass Jackie nichts gesagt hat und ich Alex mitgeteilt habe, dass ich ihn heiraten will. Und ja, Jackie ist aus dem Bad gekommen, geradewegs in die Küche gegangen und mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern zurückgekommen. Und hat mit mir auf die Doppelhochzeit angestoßen. Das war ein interessanter Abend gewesen. Definitiv war es das letzte Glas Alkohol. Für sehr lange Zeit.
"Wo sonst?" grinst Alex. "Aber heute Nacht gehörst du sowieso mir."

Nein, das war kein guter Satz. Ich werde ganz steif in seinen Armen.
"Kate!" Alex dreht sich auf die Seite und sieht mich an. "So meinte ich das nicht. Ich meinte, du gehörst zu mir. Entschuldige, dass ich mich falsch ausgedrückt habe."
"Es tut mir leid", sage ich und weiche seinem Blick aus. "Ich will nicht, dass du über jedes Wort nachdenken muss, bevor du es sagst. Vielleicht sollten wir das ganze doch lassen..."
Alex beugt sich zu mir herunter und küsst mich. Und alle Zweifel sind fort. Wie macht er das denn nur? Wieso fühle ich mich einfach nur sicher bei ihm? Liegt es daran, dass er auch in Wirklichkeit mein Beschützer ist? Nicht nur im Fernsehen?
"Könntest du aufhören vor mir Angst zu haben?" sieht er mir dann in die Augen. "Ich werde dir nicht weh tun. Ich verspreche es dir."
Ich nicke. "Gib mir ein wenig Zeit", sage ich leise.
Alex küsst mich wieder. "Bist du bereit?" fragt er dann.
Ja, das bin ich. "Ja", hauche ich.
"Ich hoffe, das hört sich später auch so an", sagt er lächelnd. Er streichelt über meine Wange. "Wenn ich es nicht schon getan hätte, würde ich mich jetzt in dich verlieben."
Mein Herz macht einen Sprung. Er hat sich in mich verliebt? Wann? Wieso? Wirklich?

"Kannst du aufhören so süß zu sein?" necke ich ihn.
"Ich bin nicht süß", protestiert er sofort und beginnt mich durchzukitzeln.
"Aufhören", japse ich nach Luft und winde mich unter ihm. "Bitte, aufhören!"
Alex´ Hände bleiben auf meiner Hüfte liegen. "Was kriege ich dafür?" grinst er.
"Einen Kuss?" biete ich ihm an.
"Nur einen Kuss?" zieht Alex eine Schnute.
Ich nehme sein Gesicht in meine Hände und ziehe ihn zu mir herunter. Unsere Lippen berühren sich. Ganz unschuldig. Doch das halten weder Alex noch ich lange aus. Meine Hände gleiten unter sein Shirt und streichen über seine nackte Haut. Alex stöhnt leise auf.
"Du solltest aufhören, sonst musst du gleich zu Ende bringen, was du begonnen hast", flüstert er in mein Ohr, als ich über seinen Bauch streiche und meine Finger kurz ein wenig tiefer wandern lasse. Es ist aufregend für mich. Es kribbelt überall in meinem Bauch, je näher wir uns kommen. Und ich weiß nicht, wie lange ich mich noch zurückhalten kann. Es fühlt sich einfach... einfach total richtig an hier bei ihm zu sein.

"Vielleicht will ich nicht aufhören", flüstere ich leise in sein Ohr und streichle weiter.
Doch Alex hält plötzlich meine Hand fest und sieht mir in die Augen.
"Nein, nicht so", sagt er heiser und räuspert sich.
"Du willst mich nicht, oder?" Ich versuche ihn zur Seite zu schieben. "Lass mich los! Wieso hast du überhaupt ja gesagt?" Ich will, dass er von mir runter geht. Und dann will ich weg.
Wieso reagiere ich eigentlich immer gleich so?
"Kate!" Alex´ Stimme klingt ungeduldig. Doch er hält mich weiter fest.
"Lass mich einfach gehen", sage ich noch einmal.
Doch Alex legt nur seine Hand sanft unter mein Kinn, so dass ich ihn ansehen muss.
"Ich will nicht, dass du gehst", sagt er mit fester Stimme. "Und ich habe nicht gesagt, dass ich dich nicht will. Aber da wir heute Abend sowieso verheiratet sein werden, würde ich damit..." Er macht eine kurze Pause. "...gern noch warten. Okay?"
Ich nicke. Er will warten? Doch meine Gedanken kann ich nicht zu Ende bringen. Vielleicht ist es auch besser so. Alex presst seine Lippen wieder auf meinen Mund. Und dann machen wir da weiter, wo wir aufgehört haben. Und wenn Mike nicht an unsere Tür geklopft hätte: "Frühstück!"
Wer weiß...
Die beiden haben aber auch schon die ganze Zeit ein Talent uns zu unterbrechen.


35. Ja, ich will
Gegen Mittag landen wir in Las Vegas. Jackie strahlt die ganze Zeit von einem Ohr zum anderen. Wir lassen uns von einem Taxi zu unserem Hotel bringen und checken dann ein.
"Sie haben die Honeymoon Suite gebucht?" lächelt die Angestellte an der Rezeption Jackie an.
"Ja, für die zwei", deutet Jackie auf Alex und mich. "Wir haben das andere Zimmer."
"Okay", reicht sie nun Jackie den einen und Alex den anderen Schlüssel. "Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Aufenthalt in unserem Hotel. Und eine tolle Hochzeit."
"Danke", sagt Jackie und dreht sich zu den Männern um. "Bringt ihr die Koffer hoch? Kate und ich müssen noch was besorgen." Sie greift nach meiner Hand und zieht mich einfach mit sich.
"Wo gehen wir hin?" will ich wissen.
"Wir brauchen doch ein Kleid", grinst Jackie mich an.
"Ein Kleid?" bleibe ich stehen.
"Auch wenn wir in Las Vegas sind, ich will ein richtiges Hochzeitskleid", lächelt Jackie mich an. Und ich setze mich wieder in Bewegung.

Meine Bald-Schwägerin zieht mich in einen Laden - voller Brautkleider. Und damit sind wir in der nächsten Stunde auch beschäftigt. Jackie zieht ein Kleid nach dem anderen an, bis sie endlich eins gefunden hat, dass ihr gefällt. Es ist ein wenig ausgefallen - vorn kurz, hinten lang. Aber es passt zu Jackie. Die kleinen weißen Rosen rechts und links verleihen ihr eine märchenhafte Aura.
"Und jetzt du", sagt sie.
"Ich weiß nicht", sage ich und gehe eine Runde durch den Laden. Brauche ich ein Kleid? Immerhin... Ja, ich heirate nicht wirklich einfach so. Wenn es jemand anderes gewesen wäre... Ich hätte diese Idee immer noch für Irrsinn gehalten. Doch bei Alex... Ich weiß auch nicht. Wenn ich nur daran denke, breitet sich in mir diese Wärme aus. Ich fühle mich sicher bei ihm. Und ich liebe ihn.
Habe ich das eben wirklich gedacht? Ich liebe ihn? Aber ja, es ist so. Ich habe mich Hals über Kopf in ihn verliebt. Schon seit unserem ersten Treffen auf dem Flughafen. Und nein, es ist keine Schwärmerei für einen Star. Es ist der Mann Alex, in den ich mich verliebt habe. Den ich liebe. Und da sollte die Hochzeit wirklich für uns beide etwas Besonderes sein.

Und dann ist es da. Es hängt einfach vor mir. Ganz schlicht. Lang. Schneeweiß. Schulterfrei. Ab der Taille fällt es weit ausladend bis auf den Boden.
"Oh mein Gott", murmle ich. Das ist das Kleid, von dem ich als kleines Mädchen immer geträumt habe. Welchen Mädchen träumt denn nicht davon ihren Traumprinzen in ihrem Traumkleid zu heiraten? Das hier ist es. Mein Traumkleid. Und den dazugehörigen Traumprinzen habe ich ja gefunden. Es ist perfekt. Dieses Kleid.
"Zieh es an!" sagt Jackie und schiebt mich samt Kleid in die Umkleidekabine.
Langsam, ganz ehrfürchtig ziehe ich das Kleid über.
"Ich helf dir beim Zumachen", sagt Jackie und schließt den Reißverschluss. "Wow", sagt sie dann und sieht mich strahlend an. "Alex wird nicht widerstehen können!"
Ich sehe in den Spiegel. Das da bin ich? Die Frau mit den vor Aufregung ganz roten Wangen? Mit den glänzenden Augen? Und dem strahlenden Lächeln auf ihren Lippen? Ja, das bin ich.
Ich kann nicht glauben, dass ich wirklich glücklich bin. Doch genauso ist es.

Jackie hatte schon auf dem Flug darauf bestanden, dass wir Mädels den Rest des Tages allein verbringen. Und die beiden Männer erst in der kleinen Kapelle treffen werden. Jackie fährt das ganze Programm auf. Massage, Maniküre, Pediküre, Friseur... Wie lange hat sie diese Hochzeit gleich nochmal geplant?
Pünktlich um halb sieben sehen wir uns an. Wir stehen fertig angezogen in unserem Zimmer und können beide nicht glauben, was hier gleich passieren wird.
"Noch können wir es uns anders überlegen", sagt Jackie grinsend zu mir.
"Ich gehe nur, wenn du gehst", ziehe ich sie auf.
"Dann muss ich ja wohl", sagt Jackie und hakt sich bei mir unter. "Schließlich gehörst du dann zu meiner Familie."
Familie. Ja, inzwischen ist Jackie so etwas wie eine Schwester für mich geworden. Gemeinsam steigen wir in den Fahrstuhl und fahren nach unten, wo ein Taxi auf uns wartet. Genau zehn Minuten später hält der Fahrer wieder an.

"Dann wollen wir mal", sagt Jackie und steigt aus. Ich folge ihr. Mein Herz klopft bis zum Hals. Ich bin so aufgeregt. Bestimmt werde ich gleich ohnmächtig. Mache ich hier wirklich das Richtige? Eigentlich heirate ich einen Unbekannten - denn was weiß ich denn schon von Alex? Aber irgendwie sagt mir mein Bauch, dass es das Richtige ist. Und mein Verstand widerspricht nicht.
Wir betreten das kleine Haus. Und da stehen Mike und Alex. Jackie läuft gleich auf Mike zu.
Ich bleibe stehen, als sich Alex´ und mein Blick treffen. Ich habe Angst, dass mich meine Füße nicht mehr tragen, wenn ich jetzt loslaufe. Also kommt Alex auf mich zu.
"Du solltest öfter einen Anzug tragen", sage ich zu ihm. Was Blöderes ist mir einfach nicht eingefallen.
Alex lächelt. "Meine Märchenprinzessin", zieht er mich zu sich heran und küsst mich. "Du bist wunderschön."
Ich glaube, die Schmetterlinge in meinem Bauch haben gerade ganz viel Zuwachs bekommen. Es kribbelt überall. Und es wird immer schlimmer.
"Nicht süß?" ziehe ich ihn auf.
"Nein, sexy", lächelt er mich an.

"Lasst uns gehen", ruft Jackie uns dann ungeduldig zu. Sie und Mike schreiten voran, als die Musik ertönt. Alex und ich laufen ihnen langsam hinterher.
"Ich will", nickt Jackie als Erste. Dann antwortet Mike. Und dann sind die zwei auch schon verheiratet. Alex und ich sehen uns an, während sie sich küssen. Noch kann er zurück. Ich wäre ihm nicht einmal böse. Doch Alex streckt seine Hand aus und nimmt meine. Wir gehören zusammen. Auch wenn er es nicht ausspricht, ich kann es fühlen. Dann treten wir nach vorn.
Ich höre die Frage, aber ich kann nicht antworten. Ist es wirklich richtig? Alex so tief da mit reinzuziehen? Ich sehe unsicher zu ihm. Doch ein Blick in diese blauen Augen nimmt mir meine Zweifel. Er wird für mich da sein. Egal was passiert. Und ich will bei ihm sein. Für immer.
"Ja, ich will", hauche ich nun auf die Frage - und hoffe, dass alle es gehört haben.
"Ja, ich will", sagt danach auch Alex - laut und deutlich.
Und dann darf auch er seine Frau küssen - mich. So schnell diese Zeremonie auch vorüber ist, ich glaube, ich bin so aufgeregt, dass ich auch von einer großen Feier nicht mehr mitbekommen hätte.

"Könnt ihr dann mal die Finger voneinander lassen?" lacht Jackie plötzlich hinter uns auf. "Wir gehen jetzt erstmal ne Runde unser Glück versuchen." Schon schiebt sie Mike zum Ausgang.
"Die zwei gehen jetzt an die Spieltische?" sehe ich Alex fragend an. Meinen Ehemann.
"Ja, das hat Jackie schon die ganze Zeit geplant", nickt er. "Ich hoffe, sie haben trotzdem Glück."
"Trotzdem?" hake ich nach.
"Naja, sie haben Glück in der Liebe", antwortet Alex. "Da hat man eigentlich kein Glück im Spiel mehr." Er grinst. Und wir gehen nun auch aus der kleinen Kapelle.
"Kommt ihr?" winkt Jackie uns aus dem Taxi zu.
"Ich wäre jetzt lieber mit dir allein", sagt Alex leise zu mir und zieht mich zu sich heran.
Ja, ich habe jetzt auch keine Lust auf Glücksspiele.
"Wir nehmen ein anderes Taxi", ruft er seiner Schwester zu.
"Seid ja nicht zu unartig", lässt Jackie noch verlauten, dann ist die Autotür zu und das Taxi fährt ab.
Ich sehe Alex erwartungsvoll an. Irgendwie habe ich in meinem Kopf gerade ziemlich wilde Fantasien, was ich mit meinem Ehemann anstellen könnte. Oder er mit mir.
Alex streichelt über meine Wange und zieht mich dann zu einem anderen Taxi. Dem Fahrer nennt er den Namen unseres Hotels. Angespannt sitze ich neben ihm, während er einfach nur meine Hand festhält.


 Das Kapi ist Ü18

36. Hochzeitsnacht
Ich sitze neben Kate im Taxi und betrachte sie ausgiebig. Wir sind gerade auf dem Weg zurück in unser Hotel. Ich kann irgendwie immer noch nicht glauben, dass ich jetzt verheiratet bin. Mit ihr. Mit dieser tollen Frau.

Als ich Kate zum ersten Mal gesehen habe – nein, eigentlich wiedergesehen. Das erste Mal haben wir uns ja auf dem Flughafen getroffen. Jedenfalls, als ich Kate wiedergesehen habe, als ich meine Schwester von diesem Nähkurs abgeholt habe, den sie sich urplötzlich eingebildet hatte, fand ich sie einfach nur eigenartig. Normalerweise liefen die Frauen scharenweise nach. Doch Kate flüchtete regelrecht vor mir. Jackie hat mir dann etwas von einer Allergie erzählt – den Witz daran habe ich bis heute nicht verstanden.
Doch irgendetwas faszinierte mich an Kate. Schon bei unserem ersten Treffen. Sie hat diese unglaublichen blauen Augen. Durch sie kann man direkt in ihre Seele blicken. Wenn man das will. Und ich wollte es.

Kate sah immer so unglaublich traurig aus. Einsam. Ich erinnere mich daran, als sie sich ihre Hand am heißen Kaffee verbrannt hatte. Sie hatte Angst vor mir. Vor meinen Berührungen. Und das, obwohl ich ihr nur helfen wollte. Kate war ein Rätsel für mich. Und ich wollte dieses Rätsel lösen.
Als wir am Abend zusammen aus waren, habe ich bemerkt, wie unsicher Kate doch war. Und immer wieder habe ich ihre Angst gesehen. Ich weiß nicht, warum sie gerade mich ausgerechnet an sich heran gelassen hat. Oder sich Jackie anvertraut hat. Aber seitdem ist da etwas anderes in ihren Augen.
Glanz. Dieser Glanz war am Anfang nicht da. Ihre Augen wirkten oft so leer. Und ich hätte sie am liebsten gleich am ersten Abend einfach nur in die Arme genommen und festgehalten. Und ihr gezeigt, dass sie nicht allein ist auf dieser Welt.

Doch als sie sich Jackie anvertraut hat und diese mir dann alles erzählt hat, da ergab sich ein ganzes Bild. Ich bewundere Kate, dass sie den Mut aufgebracht hat und von diesem Psychopathen geflohen ist. Auch wenn dieser andere Mann dafür gestorben war. Wenn ich es könnte, würde ich ihm danken. Dafür, dass er Kate gerettet und in mein Leben gebracht hat.
Manchmal wusste ich nicht, woran ich bei Kate war. Sie zog sich immer wieder schnell zurück. Zu schnell. Ich hatte nie die Chance zu reagieren. Und ich hatte das Gefühl, dass egal, was ich auch getan hätte, es in diesen Momenten das Falsche gewesen wäre.
Also habe ich ihr Zeit gegeben. Und mir.
Und Kate hat sich geändert.

Ich habe die Veränderungen bemerkt. Sie fing an mit mir zu flirten. Auch wenn sie sich darüber erschreckt hat. Dass sie noch Gefühle dieser Art hat. Ich habe es erkannt. Doch sie brauchte Zeit. Und Freiraum. Und ich habe ihr einfach beides gegeben.
Die Tage in den Bergen brachten uns nun endgültig einander näher. Es war unglaublich schön mit ihr diese Zeit zu verbringen. Sie auf dem Berg und am See im Arm zu halten. Es hat sich angefühlt, als würde sie dahin gehören. In meine Arme. Ich habe keine Angst gehabt für sie da zu sein. Mich zu binden.
Doch trotzdem fand ich den Vorschlag meiner Schwester mit der Hochzeit ein wenig sehr übertrieben. Bis zu dem Abend, als wir Kates Wohnung betraten und diese total verwüstet war.

Als ich an diesem Abend in Kates Augen gesehen habe, war alles fort. Der Glanz. Die Freude. Und sie war panisch von der Angst besessen, dass dieser andere Mann sie gefunden haben könnte. Ich war nahezu versucht meine Kontakte zum Militär auszunutzen, die ich durch meine Rolle geknüpft hatte.
Aber Kate hat sich wieder gefangen. Und auf einmal erschien Jackies Vorschlag gar nicht mehr so abwegig. Noch während Kate in der Badewanne saß, habe ich darüber nachgedacht, wie ich sie dazu bringen könnte, diesen Vorschlag in Betracht zu ziehen. Und dann hat sie die Entscheidung selbst getroffen. Und ich gebe zu, mein Herz hat einen Riesenhüpfer gemacht.
Ja, ich habe mich in Kate verliebt. Hals über Kopf. Ich möchte keinen Tag mehr ohne sie sein. Kate macht irgendwie mein Leben komplett. Nicht, dass ich bisher einsam gewesen wäre. Aber sie lässt mich ich selbst sein und verlangt nichts. Sie ist dankbar für alles, was ich ihr gebe. Und ich möchte ihr all das zurückgeben, was sie mir gibt.

Natürlich war ich vor der heutigen Zeremonie ziemlich aufgeregt. Kein Wunder, war ich doch in meinem ganzen Leben noch nie verheiratet. Ich habe einen Sohn und bin sehr stolz auf ihn, aber ich habe die Frau an meiner Seite einfach noch nicht gefunden gehabt. Bis ich Kate traf.
Ich weiß, dass sie die Richtige ist. Und ich habe sie nicht nur aus dem Grund geheiratet, damit sie von diesem Kerl wegkommt. Ich habe sie geheiratet, weil... weil ich sie liebe. Tief und innig. Es macht mich innerlich komplett und glücklich, wenn ich daran denke, dass Kate für immer bei mir sein wird.
Es ist das Richtige.

Auch hat Kate sich immer mehr geöffnet. Ich hatte Angst, dass ich zu schnell zu weit gehen würde. Immerhin hatte ich seit einiger Zeit keine Freundin mehr. Doch auch in diesem Punkt hat Kate mich überrascht. Und ich bin mir sicher, wenn Mike uns heute Morgen nicht gestört hätte, wir hätten zu Ende gebracht, was wir in den Bergen angefangen haben. Aber ich bin froh, dass wir gewartet haben.
Jetzt sitzt Kate neben mir. Ihr Blick ist auf die vielen Hotels und Leute gerichtet. Ich bin mir sicher, dass sie genauso nervös ist wie ich.
Als ich sie in der Kapelle gesehen habe, hätte ich fast vergessen zu atmen. Sie ist so atemberaubend schön. Und dieses Kleid... Ja, sie ist eine Märchenprinzessin. Und auch unser Märchen wird gut enden. Ich weiß es einfach.

Ich greife nach Kates Hand und wir sehen uns an. Ich kann das Glitzern in ihren Augen entdecken. Ich liebe dieses Glitzern. Das hat sie, seitdem wir in den Bergen waren. Es war so schön, sie beim Einschlafen und beim Aufwachen in den Armen zu halten. Und jetzt wird es jeden Tag unseres Lebens so sein.
Wir lächeln uns an.
Und in meinem Bauch breitet sich wieder dieses warme Gefühl aus. Ich liebe Kate über alles. Und ich werde alles tun, damit sie sicher ist. Vor diesem Irren. Für immer. Sie gehört jetzt zu mir. Und bevor er sie bekommt, muss er erst einmal an mir vorbei.
Und ich hoffe, dass es nie zu diesem Zusammentreffen kommen wird.

Das Taxi hält und wir steigen aus. Angespannt warten wir vor dem Aufzug. Ich kann es kaum noch erwarten endlich mit Kate allein zu sein. Doch im Aufzug stehen bereits einige Leute und so stellen wir uns einfach mit hinein.
Ihre Hand liegt in meiner – und ich spüre, dass sie genauso nervös und ungeduldig ist wie ich. Der Aufzug hält endlich in unserer Etage. Ich suche den Zimmerschlüssel in meiner Tasche und öffne die Tür. Ich lasse es mir natürlich nicht nehmen und trage meine Frau über die Schwelle. Auch wenn das nicht unser Zuhause ist. Aber für heute ist es das einfach. Den Schlüssel werfe ich achtlos auf das Regal neben der Tür.
„Endlich allein“, lasse ich sie herunter und ziehe sie sofort wieder in meine Arme.
Meine Frau. Meine Ehefrau. Meine Liebe.

„Ich liebe dich, Kate“, sage ich zu ihr und sehe ihr tief in die Augen. Und ich sehe da nur unbändige Liebe. Keine Angst. Kein Bedauern. Es ist alles perfekt.
„Ich liebe dich“, höre ich sie sagen. Zum ersten Mal. Diese Worte.
Ich beuge mich zu ihr herunter und küsse sie hungrig. Kate macht einen Schritt zurück und steht mit den Beinen an einem kleinen Schränkchen. Ich will mehr von Kate. Viel mehr. Zu lange haben wir gewartet. Wurden unterbrochen.
Ich hebe Kate an und schon sitzt sie auf dem Schränkchen vor mir.
Meine Zunge bittet Einlass und sie gewährt ihn mir. Ich könnte gerade explodieren vor lauter Glück. Ich halte Kate fest in meinen Armen und möchte sie am liebsten nie wieder los lassen.

Plötzlich spüre ich Kates Finger an meiner Hose.
„Warte“, sage ich heiser und halte ihre Hände fest. Ich wünsche mir nichts sehnlicher im Moment als sie endlich zu spüren. Aber das hier ist unsere Hochzeitsnacht. Ich will, dass es perfekt ist. Für sie und für mich.
Ich ziehe Kate von dem Schränkchen wieder herunter. Das können wir gern morgen noch einmal probieren. Aber jetzt will ich meine Frau im Schlafzimmer. Im Bett. Vor dem wir auch nur Sekunden später stehen.
Kate scheint genauso ungeduldig zu sein wie ich. Denn schon liegt meine Jacke auf dem Boden. Und sie nestelt an der Krawatte.
„Warte“, schiebe ich ihre Finger beiseite und mache mir dieses störende Ding ab. Kate beginnt sogleich die Knöpfe des Hemdes zu öffnen.

Also beschließe ich, den Reißverschluss ihres Kleides zu öffnen. Es fällt genau in dem Moment zu Boden, als auch mein Hemd nicht mehr an meinem Körper klebt.
Kate hebt den Kopf und sieht mich verführerisch lächelnd an. Ich ziehe sie zu mir heran und küsse sie. Und schon fällt der BH zu Boden. Kate löst sich von mir und sieht mich an. Bitte, vertrau mir! Doch ich spreche die Worte nicht aus. Wir müssen nicht darüber reden. Nicht heute. Nie mehr. Denn wenn sie mir nicht vertrauen würde, wäre sie nicht hier. In meinen Armen.
Kate legte ihre Finger auf meinen Bauch und streicht sanft und unerträglich langsam nach oben. Umkreist meine Brustwarzen – und bringt mich fast um meinen Verstand. Der sich sowieso gerade in andere Regionen verabschiedet.
Doch was sie kann, kann ich auch!

Kate stöhnt leise auf, als meine Hände ihren Körper berühren. Doch sie wartet nicht ab, sondern öffnet im nächsten Moment den Reißverschluss meiner Hose. Sie fällt zu Boden. Jetzt tragen wir beide nur noch ein Kleidungsstück.
Nein, halt! Ich muss lächeln, als ich das Stumpfband an ihrem Oberschenkel entdecke.
„Findest du das lustig?“ zieht sie mich auf.
„Nein, es ist süß“, gebe ich gleich zurück. Ich liebe diese Süß-Konversationen mit ihr.
„Oh, ich dachte, es wäre sexy“, schiebt Kate schmollend ihre Unterlippe hervor und sieht mich mit traurigen Augen an. Mit traurigen Augen, in denen es aufblitzt.
„Du kleines Biest“, rutscht mir heraus. Ich hebe Kate hoch und lege sie aufs Bett. „Es ist sexy.“
„Gut“, grinst Kate und nestelt an meinem letzten Kleidungsstück.

„Willst du es nicht langsam angehen?“ sage ich zu ihr und sehe sie an.
„Später“, sagt Kate ungeduldig. Sie zieht mich zu sich herunter. Und schon bald ist nichts Hinderliches mehr zwischen uns.
Es scheint, als könnte es keiner von uns erwarten den anderen endlich zu spüren. Und als es dann soweit ist, bäumt sich Kate auf. Und mir entrinnt ein leises Stöhnen. Ich halte mich zurück und suche Kates Blick. Habe ich ihr wehgetan?
„Nicht aufhören“, höre ich sie flüstern und sie hebt ihr Becken. Ich kann mich nicht mehr zurückhalten. Es ist unglaublich sie zu spüren. So nah.
Ich höre, wie Kate verlangend meinen Namen flüstert und erlöse sie von ihrem Verlangen. Gleichzeitig mit meinem. Es ist unbeschreiblich, was ich gerade fühle. Unendliche Liebe. Befriedigung. Liebe. Das Leben. Alles hat auf einmal einen Sinn.
Ich suche Kates Lippen und küsse sie zärtlich. Mein Traum ist soeben wahr geworden. Ich hoffe, ihrer auch.

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